tomatenblüte
2012-11-10 16.05.05

Krautplatz….

…die halbe Arbeit auf dem Wochenmarkt erledigen lassen

Füllung

…formen

…backen

könnt ihrs riechen…

kennt niemand!
Nicht im Netz, nicht im wirklichen (gibt es auch ein unwirkliches? )Leben, in keiner Zeitung…nicht bei Pinterest, nicht bei tastespotting….einfach nirgends.
Die Krautplatz waren das absolute Lieblingsessen meines Vaters.
Ein Rezept aus seiner Heimat, dem Kuhländchen…also aus dem Sudetenland.
Meine Mutter ist auch Sudetendeutsche, stammt aber aus einer anderen Ecke und hatte nicht die geringste Ahnung  was mein Vater da immer haben wollte…Krautplatz….was soll das sein…wie macht man das…
Viele Telefonate später gab es dann eine Ahnung und nach mehreren Versuchen ein Rezept und einen glücklichen Papa…soweit die mündliche Überlieferung dieser Rezeptsuche.
Ich liebte diese Fladen genauso wie mein Vater und jetzt endlich will ich sie unters Volk bringen.
Rezepte gibt es von meiner Mutter nicht, aber mein olfaktorisches Gedächtnis funktioniert aufs Beste.
Der Geruch ist so einmalig…ich habe nur einen Versuch gebraucht …
Es duftet nach Butter…nach Zimt…nach Karamell…und Weißkraut!!!
Es riecht göttlich…es schmeckt göttlich..es ist süßlich…es ist buttrig…es ist scharf….es ist besonders…und spaltet garantiert die Geschmäcker.
Man liebt es oder findet es furchtbar…dazwischen gibts nicht viel.

Krautplatz

Hefeteig

500 g Mehl
1/2 Päckchen Trockenhefe
1Tl Salz
1Tl Zucker
300ml lauwarme Milch
1El weiche Butter
Alles mit dem Handrührer (Knethaken) zu einem Teig verarbeiten und mindestens 2 Stunden gehen lassen.
Über Nacht im Kühlschrank gehen lassen ist noch besser. Mindestens 2 Stunden vor Gebrauch aus dem Kühlschrank nehmen.
Nach dem Gehenlassen in 10 Portionen aufteilen. Die Kugeln noch mal 30 Minuten gehen lassen.
(Die Füllung hat bei mir nur für 8 Kugeln gereicht)

Füllung

1kg           Weißkraut fein gehobelt
120 g        Butter
100-150g  Zucker
1-2Tl        schwarzer Pfeffer frisch gemahlen
1Tl           Salz
2 Tl          Zimt
extra Butter zum Bestreichen

Butter zusammen mit dem Zucker (vielleicht zuerst mal mit 100g anfangen, wenns später nicht süß genug ist kann der Rest immer noch dazu) schmelzen.
Kraut, Salz und Pfeffer dazugeben und jetzt das Kraut auf kleinem Feuer schmurgeln lassen. Ohne Deckel und immer wieder umrühren.
Nach einer Stunde ist das Kraut braun und karamellisiert. Viel übrig ist auch nicht mehr.
Zum Schluss den Zimt unterrühren.
Abkühlen lassen.
Hefeteigkugeln dünn ausziehen.
Viel Füllung drauf und versuchen den Teig möglichst dünn über die Füllung zu ziehen.
So dünn, dass das Kraut durchschimmert.
Lieber Löcher riskieren als zu dicker Teig.
Die gefüllten Kugeln auf ein Blech setzten und mit der Handfläche vorsichtig flach drücken.
Wie gesagt…wenn der Teig reißt ist das nicht schlimm. Die Füllung ist ja nicht flüssig, da läuft nichts raus.
Mit flüssiger Butter bestreichen.
Bei 180° backen bis die Fladen goldbraun sind. Dabei immer wieder mit flüssiger Butter  bestreichen.

Was mich jetzt noch interessieren würde: Kennt jemand ein ähnliches Rezept…unter anderem Namen?
In Sudetendeutschen Kochbüchern fand ich auch nichts Entsprechendes.

…und…weil es brauner nicht geht…schicke ich das mal bei Uwe vorbei…..

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This entry was published on November 11, 2012 at 12:01 vormittags. It’s filed under Kochbuch, süß and tagged , , , , , , , , . Bookmark the permalink. Follow any comments here with the RSS feed for this post.

51 thoughts on “Krautplatz….

  1. Mann mann mann, Sybille! Sieht das lecker aus. Ich höre aus deiner Beschreibung zwei Dinge heraus, erstens wie umwerfen gut es schmeckt und zweitens, dass die Teile für dich ein Stück “zuhause” sind. Ich will die unbedingt auch machen, aber mir graust es jetzt schon, wenn ich daran denke, wie der Teig bei mir reißen wird. Ich will keine Löcher!! ;-)

    Und ich habe leider von einer solchen Art Gebäck noch nie etwas gehört. Warte bis Robert kommentiert, ich wette ´nen 10er, dass er ´ne Antwort hat.

    Liebe Grüße, Dirk

    • Dirk..
      natürlich ist das ein Stück Familie. Wenn die Eltern nicht mehr da sind gewinnen solche Geschichten an Bedeutung.
      Der Robert…ja…vielleicht, allerdings tippe ich eher auf die Österreicherinnen.
      Warten wir mal was da kommt. :)
      Strudelteig wäre eine Variante, der ist elastischer.

      Mit reißfesten Grüßen :) :)

  2. Eiskalt erwischt. Solche Teilchen waren mir bis vor einer Minuten total unbekannt. Werde mal meine Frau Mama fragen, die ist ein Lexikon für spezielle Hausmannskost. Beispielsweise Salztomaten aus Bessarabien. Oder salzige Klieben.

  3. Nie zuvor gehört, es liest sich auf jeden Fall sehr ungewöhnlich. Sie sehen ja auch schon sehr ungewöhnlich aus – beim ersten Blick in meinem Reader dachte ich an eine bestimmte Pilzart ;-)

  4. Ich gehe mit Sabine: sehr ungewöhnlich! Zuerst dachte ich, es wäre eine süß-salzige Kreation, aber beim genaueren aufs Rezept-Bblicken, sind das tatsächlich süße Teilchen mit Weißkraut?!

    Sehr ungewöhnlich. Umso weniger kann ich mir richtig den Geschmack vorstellen. Und begegnet sind mir die kleinen (?) Platzen natürlich auch noch nie. Hach, man müßte kosten können…

    …viele liebe Grüße

  5. Ich geb´s zu … noch nienienie gehört, meine Oma (geboren auf der Krim)hat gefüllte Dampfnudeln mit Kraut gemacht, diese wurden mit Kartoffeln in der Pfanne gebacken, das hat so lecker geschmeckt, dazu gab es eine braune Fleischsoße, jetzt wo Du dass schreibst kommt ich wieder drauf. Wo bekomme Ich das Rz meiner Oma her ? Hätte ich damals nur mal zugeschaut wie dass geht, Tztz keiner da den ich nochmal fragen könnte.
    Deine Kreation würde ich sofort probieren, halte mein Tellerchen hin … noch was da ?

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
    Kerstin

    • Kerstin,
      Die Kartoffelnudeln kenne ich auch und mag sie sehr ( die Mama halt….)

      2 Stück sind noch da!

      Liebe Grüße

      • Hast Du ein Rezept für mich ?
        Das wäre ja der Oberknaller ;)

      • Meine Mutter hat einen einfachen Hefeteig ( wie Dampfnudeln ) gemacht.
        Mit gedämpftem Sauerkraut gefüllt.
        In einem großen Bräter ordentlich Schmalz zerlassen.
        Rohe, in dünne Scheiben geschnittene Kartoffeln einschichten 1-1,5cm hoch.
        Nur bisschen Brühe angießen.
        Die Hefeteile drausetzen. Deckel drauf und wie Dampfnudeln garen.
        Nach einer halben Stunde( so ungefähr) beginnen die Kartoffelscheiben zu knistern und wenns anfängt wie Bratkartoffeln zu riechen sind sie fertig.
        Ob deine Oma die auch so gemacht hat weiß ich nicht.
        Schmecken gut und sind manchmal unten verbrannt ;) Das war ein bisschen Tradition!

        Grüßle

      • Vielen Dank für deine Rezept, Ich probiere es einfach mal aus, dann sage Ich dir obs so geschmeckt hat wie bei meiner Oma, sie hat noch Lauchstücke reingetan und angebrannt waren die Kartoffeln auch … gehört sich wohl so ;)
        Merciiii

  6. Bei uns gibts manchmal Krautstrudel (in Strudelteig, nicht in Germteig), da wird auch jede Menge Kraut – allerdings mit mit ganz wenig Zucker und Zwiebeln – karamellisiert, ich kann mir also ein bisschen vorstellen,wie das schmeckt :-)

  7. Ich kenne Krautplatz auch nur als eine Art Hefeteigfladen (Flammkuchen) mit Kraut drauf. Aber nicht süss. @Dirk: Wer Löcher verstopfen will, nimmt einen Plätz Teig dazu. Kann man den Teig auf einem bemehlten Küchentuch (wie Strudelteig) ausrollen und ziehen ?

  8. Das klingt sehr, sehr fein. Mich erinnern die Fotos an eine marokkanische Pastilla, der dünne Teig, Zimt ….. Danke fürs Teilen dieses traditionellen Gerichtes. Es möge nicht in Vergessenheit geraten.

  9. Wow, das liest sich echt ungewöhnlich! Und ich stehe auf solche Achterbahnen im Mund, je ausgefallener desto besser :) Ich glaube ganz echt, dass ich das verdammt gut mögen würde!

    Schreit nach viel Arbeit, aber ist bestimmt jede Minute davon wert… das Rezept habe ich mir schon abgespeichert, werde ich (hoffentlich bald) mal versuchen (nicht bloss gesagt :))

    liebe Grüsse
    *marco

  10. Krautplatz nie gehört, aber die Fülle erinnert mich ein bisschen an Krautfleckerl – die besten sind ja die, wo das Kraut lange genug karamellisiert und geschmurgelt wird, allerdings mit weniger Zucker als jetzt bei dir. Zimt dazu klingt interessant, kann ich mir gut vorstellen! Was habt ihr dazu gegessen?

    Die Kombination Kraut oder auch Salat mit süß ist typisch für die böhmische und altösterr. Küche und bei uns gebietsweise oder wie ich beobachte, eher “familienweise” üblich – bei mir zB. stammen einige Vorfahren aus der Monarchie aus dem böhmisch-mährischen Raum und haben wohl ihre Küchenvorlieben mitgebracht und nachhaltig weitergegeben ;-)
    lg

    • Friederike,
      das ist einfach ein süßes Stückchen…direkt aus dem Backofen aufreißen und essen. Alle Krautgerichte, auch die lange geschmurgelten ( so gut), die ich so kenne sind eindeutig pikant. Das hier ist eindeutig ein süßes Gericht. Vergleichbar (von der Idee) mit Azukibohnenpaste. Da wird aus einer Bohne asiatisches Marzipan!!
      Weitergeben…ich befürchte ich bin die Letzte…mein Sohn findet die Küchlein “irgendwie komisch”.

      • Aha, ein süßes und nicht süßlich-pikantes Gericht… noch interessanter und noch einmal unbekannter.
        Ja, die Söhne, meiner wäre auch nicht begeistert, obwohl er sonst Kraut gern mag.

  11. sehr interessantes Rezept mit Geschichte und Gefuehl, schoen!
    Krautgefuellte Krapfen gibt es in Ost- und Suedtirol ( Aus einer Art Nudelteig, ohne Ei, mit Milch, mit Fuelle aus Kraut oder Sauerkraut) und dann frittiert. Nennen sich Tirteln und schmecken gut. Das was du hier zeigst ist aber doch was ganz anderes. Ich liebe karamellisiertes Kraut, die Zimtmenge finde ich allerdings schon sehr beeindruckend. Da bin ich mir nicht sicher, ob mir das nicht zu viel waere.

  12. Ich reihe mich bei denen ein, die davon noch nie gehört haben….ist noch einer da????
    Ich mag solche Gerichte, die mit Erinnerung und einem Stück zuhause verknüpft sind, auch sehr gerne. Früher war mir das gar nicht so wichtig, aber das Alter, ächz.

  13. Hört sich auf den ersten Blick befremdlich an, Zimt und Weißkraut, aber anscheinend macht das ja das gewisse Etwas aus, jeder hat solche Heimats-Gefühl-Gerichte, aber deins hier hab ich noch nie gehört – deine Mission das Rezept unters Volk zu bringen ist also gelungen! ;-)
    Lieben Gruß!!

  14. Mir ist es ein dringendes Bedürfnis,
    endlich auch mal einen Kommentar abgeben, der Ähnlichkeit mit einem
    “weiblichen” hat. Also mindestens ein
    “Mmmmmhhhhhh” und ein “sooooooo lecker” enthält.

    Denn ich denke das sind hier die richtigen Attribute.
    Karamellisiertes Kraut ! Ja sapperlot. Da legst di’ nieder.

    Wird probiert.
    Zu Ursprung und Geschichte des Rezepts kann ich leider, trotz täglich
    fortschreitender Vertiefung meiner Falten, nichts beitragen.

    Mit leckerem Gruß, Peter

    • Öhmm…hab ich schon mal irgendwo sooooo kommentiert..grübel…
      Mmmmmmhhhh…ich glaube höchstens 1-100 mal…

      Ich freu mich wenn dus wirklich ausprobierst, es soll sich doch über die gaaaaanze Welt ausbreiten ;)
      :) :) :)

  15. Ich bin ehrlich – ich würd’s probieren, wenn Du mir so ein Teilchen geben würdest. Aber nachbacken… nee, irgendwie nicht. Resp. ich würde das Kraut noch salzen. Süss und salzig ja, aber nur süss… :-/

    • Liebes Hühnchen
      alles muss/kann man ja eh nicht nachmachen ;)
      Wenn ich was Ungewöhnliches entdecke packt mich immer die Neugierde….
      Nur süß sind die Dinger nicht, der Pfeffer sorgt für Schärfe…Pfefferkaramell..klingt schon besser.. :) :)

  16. spannend….. ich denke ich würd zusätzlich noch scharf machen, mit Chili und Ingwer- da ich ja das Rezept losgelöst von Heimatgefühlen interpretieren kann. Mal schauen…. (die Liste im Kopf wird länger und länger, ich glaub ich muß noch ein paar Leben dranhängen)

  17. In Asien kenn ich solche mit Kraut gefüllten Kugeln in einem Germteig (Hefeteig), die werden gedämpft und schmecken auch süßlich.Deshalb kann ich mir Deine Krautplatz auch sehr gut vorstellen, obwohl die durch den anderen Teig sicher einen ganz anderen Charakter haben. Klingt toll! Solche Rezepte müssen erhalten und weitergegeben werden!

  18. Sybille,

    vielen lieben Dank für Deine Einreichung! Ich habe nun wieder etwas gelernt, denn mir war das Rezept bis dato völlig unbekannt. Danke dafür!

    Grüße
    Uwe

  19. Hätte ich nicht erst neulich an anderer Stelle von Krautblatz gelesen, hätte ich nicht die geringste Ahnung gehabt, wovon du so schwärmst. Kuck mal bei Ariane, da gibts noch ander Namensvariationen für dieses Gebäck: http://mizzis-kuechenblock.de/2012/11/nachgekocht-original-schwabisch-backen/

    Bin mir zwar nicht ganz sicher, ob mir Krautblatz schmecken würde, aber das lässt sich dank deiner Recherchen und olfaktorischen gedächtnisses ja leicht nachprüfen. Danke für’s Rezept!

    • Danke für den Link liebe Peggy,
      habe gerade nachgeschaut…zumindest was den Namen betrifft zeigt sich Erhellung. Plazenta…
      Bei den schwäbischen Blatz/Platz handelt es sich auch um pikante Fladen. Meine süßen bleiben immer noch einmalig.. :)

  20. Bauhuber Brigitte on said:

    Servus meine Eltern sind auch aus dem Sudetenland , hab die als Kind bei meiner Oma bekommen , ich liebe sie! Bin froh das ich jetzt ein Rezept gefunden habe. Danke !! Bin schon beim ausprobieren, hoffe sie geli gen mir.
    LG Brigitte

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